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Fragen und Antworten zur Desinfektion im Dental / Praxislabor

Haben Sie das Wissen um uns beraten zu können?

Wir vertreiben seit Firmengründung Desinfektionsmittel für Dentallaboratorien. Der Geschäftsführer Hans Schwarzmann ist seit 1999 staatlich geprüfter Desinfektor und nach ISO EN 17024:2003 in diesem Bereich zertifiziert. Unsere Mitarbeiter in der Beratung sind als Medizinprodukteberater zertifiziert oder haben eine zahnmedizinische / zahntechnische Ausbildung.

Was muss ich bei der Auswahl von Desinfektionsmitteln / Verfahren grundsätzlich beachten?
Nach der BGI 775 (Zahntechnische Laboratorien, Schutz vor Infektionsgefahren) ist vom Laborinhaber sicherzustellen, dass nur geeignete Desinfektionsmittel und Desinfektionsverfahren verwendet werden. Dabei ist in erster Linie auf den „Stand der Technik“ zu achten. Da sich dieser verändert, ändern sich auch die Prüfkriterien anerkannter Fachgesellschaften und Behörden.

Nachweise über die Wirksamkeit sind deshalb nach anerkannten, aktuellen Richtlinien zu erstellen. Das Gutachten ist von einem anerkannten Hygieniker / Mikrobiologen nach den Vorgaben einer Fachgesellschaft zu erstellen. Reine Herstellerangaben zur Wirksamkeit reichen nach der BGI 775 / 6.5 nicht.

Warum sollte Sprühdesinfektion nicht eingesetzt werden?

Obwohl dies eine gängige Methode zur Desinfektion im Labor ist, hat sie viele Nachteile:

  • Bei bereits vorhandener Nässe (Blut, Sputum) verdünnt das Produkt stark.
  • Eine vollständige Benetzung ist nur durch längerfristiges Bespühen möglich. Dies wird durch einen einfachen Test nachvollziehbar: Sprühen Sie auf einen Spiegel und Sie werden feststellen, dass zwischen den Tropfen Zwischenräume sind, auf denen das Desinfektionsmittel nicht wirken kann.
  • Durch das Versprühen werden die Atemwege und die Haut, zumindest der Person die sprüht, mit Aerosolen und Dämpfen belastet.

Da Sprühdesinfektion nach BGR 206, Punkt 4.6.2.4.1 vermeidbar ist, ist darauf zu verzichten. Auch in der  BGR 775, Punkt 5.3.1 wird das Handsprühverfahren für Abdrücke als ungeeignet bezeichnet.

Warum sollten Abdrücke im Tauchbad desinfiziert werden?
Tauchbad-Desinfektion ist für die Desinfektion von Abformmaterialien unter Berücksichtigung eines rationellen Arbeitsablaufs, der Kosten und des Arbeitsschutzes die geeignete Methode.
In der Mitteilung 2/2006 weisst die VAH umissverständlich darauf hin, dass Desinfektionsmittel, die für die Desinfektion von Abformmaterialien verwendet werden und somit nicht als Wischdesinfektion oder Sprühdesinfektion Verwendung finden, nach den Testmethoden der Instrumentendesinfektion getestet werden müssen.

Warum soll ich eine Flächendesinfektion nicht im Tauchbad verwenden?
In der Mitteilung 02/2006 der Desinfektionsmittel-Kommision der VAH wird nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Desinfektionsmittel für Abformaterialien im Tauchbadverfahren als Instrumentendesinfektion geprüft werden müssen.

Das macht durchaus Sinn, denn Instrumentendesinfektionsmittel werden im Tauchbad- verfahren geprüft. Flächendesinfektion werden im Scheuer/Wischverfahren geprüft. Auf ein Gutachten kann man sich nur berufen, wenn das Verfahren und die Anwendung den Prüfkriterien entsprechend angewandt wird.

Gibt es eine Alternative zur Tauchbaddesinfektion von Abdrücken?
Sofern ein Gutachten über die Wirksamkeit des Verfahrens/Gerätes vorliegt, stellen Desinfektionsgeräte die einzige wirkliche Alternative zur Tauchbad-Desinfektion dar. Beachten Sie aber, dass Sie Geräte regelmäßig warten zu lassen und ausschließlich das vom Hersteller angegebene Desinfektionsprodukt anzuwenden.

Welche Anforderungen stellt die denta-d an die Produktion von Desinfektionsmitteln?
Die denta-d stellt selbst keine Desinfektionsmittel her. Bei der Auswahl des neuen Lieferanten haben wir grossen Wert darauf gelegt, daß bei Herstellung und Abfüllung neben ISO 9001 auch die strengeren Vorgaben des Medizinprodukte-Gesetzes umgesetzt werden.

Was bedeutet VAH / DGHM?
Die VAH veröffentlicht Prüfkriterien für Desinfektionsmittel/verfahren für die prophylaktische Desinfektion im Gesundheitswesen. Die DGHM hat diese Liste bis 2004 erstellt. Ist ein Desinfektionsmittel nach den Vorgaben der VAH geprüft und wird es gemäß den Prüfungsbedingungen angewandt, kann der Laborinhaber davon ausgehen, dass das Desinfektionsverfahren dem Stand der Technik entspricht.

Was bedeutet DVG?
Die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG) benennt Mittel, die bei der Verarbeitung von Lebens- und Futtermitteln oder bei der Tierhaltung zum Einsatz kommen.

Was bedeutet DVV/RKI?

Die Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) und das Robert-Koch-Institut (Behörde) haben eine gemeinsame Leitlinie zur Prüfung von chemischen Desinfektionsmitteln auf Wirksamkeit gegen Viren in der Humanmedizin erarbeitet.

Das RKI gibt eine Liste mit Desinfektionsmitteln heraus, die im Seuchenfall, bzw. auf spezielle Anordnung des Gesundheitsamtes verwendet werden müssen. Da dieser glücklicherweise selten eintritt, haben nur wenige Hersteller Ihr Produkt dort eintragen lassen.

Was sind Vaccinia und BVDV Viren?
Beides sind Testviren. Bei erfolgreicher Testung wird im Analogieschluss das Produkt als „begrenzt viruzid“ bezeichnet. Das heisst, es ist wirksam gegen alle behüllten Viren wie HIV, HBV, HCV, etc.

Wie oft muss das Desinfektionsbad gewechselt werden?
Orientierung bietet das RKI in Ihrer „Empfehlung“: „Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten“. Zitat: „Die Reinigungslösung wird durch organisches Material und chemische Rückstände verunreinigt und ist zur Vermeidung mikrobieller Vermehrung, von nachhaltigen Kreuzkontaminationen und einer Beeinträchtigung der Reinigungsleistung mindestens arbeitstäglich frisch anzusetzen, bei sichtbaren Verschmutzungen sofort zu wechseln.“

Wie erkenne ich ob Desinfektionsmittel überhaupt in Verkehr gebracht werden dürfen?
Unglaublich aber wahr. Es sind uns „Hersteller“ bekannt die Ihre Desinfektionsmittel in Deutschland gar in Verkehr bringen dürften.
 
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sagt dazu folgendes:
„Die Produkte, die keine von der Zulassungsstelle vergebene Registrierungsnummer erhalten, sind möglicherweise illegal auf dem Markt. Im Einzelfall bleibt jedenfalls eine genaue Prüfung durch die Überwachungsbehörde bestehen.“ Die Zulassungsnummern sind üblicherweise mit „Baua“, o.ä gekennzeichnet. Sie beginnen mit N und enden mit einer Zahlenkombination. Früher übliche Angaben wie Registriernummern vom UBA (Umweltbundesamt) ersetzen die Registriernummer nicht.

 

Gegen welche Viren wirken Ihre Desinfektionsmittel?

Beide Desinfektionsmittel wirken gegen behüllte Viren, beispielsweise gegen:
Doppelsträngige DNA-Viren = dsDNA
Familie Poxviridae
Unterfamilie Chordopoxvirinae
Gattung Orthopoxvirus
Orthopoxvirus variola = Variolavirus - Pocken, Echte Pocken
Orthopoxvirus variola var. alastrim = Kaffernpockenvirus - Pocken, Weiße Pocken
Gattung Parapoxvirus
Parapoxvirus ovis = Orf-Virus - Orf
Gattung Molluscipoxvirus
Molluscum-Contagiosum-Virus – Dellwarze (Molluscum contagiosum)
Familie Herpesviridae
Unterfamilie Alphaherpesvirinae
Gattung Simplexvirus
Herpes-simplex-Virus 1 (HSV 1) = Humanes-Herpes-Virus 1 (HHV 1) – Herpes simplex, Herpes labialis, Stomatitis aphtosa
Herpes-simplex-Virus 2 (HSV 2) = Humanes-Herpes-Virus 2 (HHV 2) – Herpes simplex, Herpes genitalis
Herpes-B-Virus = (Herpesvirus simiae)
Gattung Varicellovirus
Varizella-Zoster-Virus (VZV) = Humanes-Herpes-Virus 3 (HHV 3) – Windpocken = Varizellen (Herpes zoster), Gürtelrose
Pseudowut-Virus – Juckseuche = Tollkrätze, bei Tieren, auf den Menschen übertragbar!
Unterfamilie Betaherpesvirinae
Gattung Cytomegalovirus
Humanes-Zytomegalie-Virus = Humanes-Cytomegalie-Virus (HCMV) = Humanes-Herpes-Virus 5 (HHV 5) – Zytomegalie
Gattung Reseolovirus
Humanes Herpesvirus 6 (HHV 6) – Drei-Tage-Fieber
Humanes Herpesvirus 7 (HHV 7) – Drei-Tage-Fieber
Unterfamilie Gammaherpesvirinae
Gattung Lymphocryptovirus
Epstein-Barr-Virus (EBV) = Humanes-Herpes-Virus 4 (HHV 4) – Pfeiffer-Drüsenfieber, Burkitt-Lymphom
Gattung Rhadinovirus
Humanes-Herpes-Virus 8 (HHV 8) – Kaposi-Sarkom
Familie Hepadnaviridae
Gattung Orthohepadnavirus
Hepatitis-B-Virus (HBV) – Hepatitis B
Einzel(+)-Strang-RNA-Viren = ss(+)RNA
Familie Togaviridae
Gattung Alphaviren – Erreger von Arbovirosen
Chikungunya-Virus (CHIKV) - Chikungunya-Fieber
Everglades-Virus - Everglades-Fieber
O'Nyong-nyong-Virus (ONNV) - O'Nyong-nyong-Fieber
Mayaro-Fieber-Virus- Mayaro-Fieber
Semliki-Forest-Virus - Semliki-Forest-Fieber
Mucambo-Virus - Mucambo-Fieber
Ross-River-Virus - Ross-River-Fieber
Sindbis-Virus - Sindbis-Fieber
Gattung Rubiviren
Rubivirus = Rötelnvirus = Rubellavirus – Röteln
Familie Flaviviridae
Gattung Hepacivirus
Hepatitis-C-Virus (HCV) – Hepatitis C
GB-Virus-C (ohne Krankheitswert)
Gattung Flavivirus
West-Nil-Virus – West-Nil-Fieber
Dengue-Virus – Dengue-Fieber
Gelbfieber-Virus – Gelbfieber
Louping-ill-Virus – Louping-ill-Enzephalitis
St.-Louis-Enzephalitis-Virus – St.-Louis-Enzephalitis
Japan-B-Enzephalitis-Virus – Japanische Enzephalitis
Powassan-Virus – Powassan-Enzephalitis
RSSE-Virus – RSSE = Russian-Spring-Summer-Enzephalitis
FSME-Virus – FSME = Frühsommer-Meningoenzephalitis
Familie Coronaviridae – Magen-Darm-Entzündungen
Gattung Coronavirus
SARS-assoziiertes-Corona-Virus (SARS-CoV) – SARS = atypische Lungenentzündung = (Pneumonie).
Humanes-Corona-Virus 229E (HCoV 229E) – Erkältung
Humanes-Corona-Virus OC43 (HCoV OC43) – Erkältung
Gattung Torovirus
diverse Arten – Gastroenteritis
Familie Retroviridae = Einzel(+)-Strang-RNA-Viren mit dsDNA-Zwischenstufe:
Unterfamilie Orthoretrovirinae
Gattung Deltaretrovirus
Humanes-T-Zell-lymphotropes-Virus Typ I (HTLV-I) - Leukämie
Humanes T-Zell-lymphotropes Virus Typ II (HTLV-III) - Leukämie
Gattung Lentivirus
Humanes-Immundefizienz-Virus Typ 1 (HIV-1) – AIDS
Humanes-Immundefizienz-Virus Typ 2 (HIV-2) – AIDS
Einzel(−)-Strang-RNA-Viren = ss(−)RNA
Familie Arenaviridae
Gattung Arenavirus
Lassa-Virus – Lassa-Fieber
lymphozytäre-Chorio-Meningitis-Virus (LCMV) – Lymphozytäre Choriomeningitis
Tacaribe-Virus
Junin-Virus – Junin-Fieber (argentinisches hämorrhagisches Fieber)
Machupo-Virus – Machupo-Fieber (bolivianisches hämorrhagisches Fieber)
Familie Bornaviridae
Gattung Bornavirus
Virus der Borna´schen Krankheit – beim Pferd, vielleicht auch auf den Menschen übertragbar – Affektive Störungen
Familie Bunyaviridae – Erreger von Arbovirosen
Gattung Orthobunyavirus
Bunyamwera-Virus (Serogruppe)
California-Encephalitis-Virus (Serogruppe) – Encephalitis
Gattung Phlebovirus
Rift-Valley-Fieber-Virus – 3 Subtypen, Rift-Tal-Fieber
Sandmückenfieber-Virus - Sandfly fever = Sandmückenfieber
Subtyp Toscana-Virus - Pappataci-Fieber
Gattung Nairovirus
Krim-Kongo-Fieber-Virus (Serogruppe):
Subtyp Krim-Kongo-hämorrhagisches-Fieber-Virus - Krim-Kongo-Fieber
Subtyp Hazara-Virus
Subtyp Khasan-Virus
Gattung Hantavirus
Hantaan-Virus (4 Subtypen) hämorrhagisches Fieber, Nephritis
Seoul-Virus (Serogruppe) hämorrhagisches Fieber
Prospect-Hill-Virus (2 Subtypen) hämorrhagisches Fieber
Puumala-Virus (Serogruppe)- hämorrhagisches Fieber, Pneumonie, Nephritis
Dobrava-Belgrad-Virus – hämorrhagisches Fieber
Tula-Virus – hämorrhagisches Fieber
Sin-Nombre-Virus (Serogruppe) – hämorrhagisches Fieber mit schwerem Lungenödem
Familie Filoviridae
Gattung Marburg-Virus
Lake-Victoria-Marburgvirus (Serogruppe) – Marburg-Fieber (hämorrhagisches Fieber)
Gattung Ebolavirus
Zaire-Ebolavirus (Serogruppe) - Ebola (hämorrhagisches Fieber)
Sudan-Ebolavirus – Ebola (hämorrhagisches Fieber)
Côte d'Ivoire-Ebolavirus – Ebola (hämorrhagisches Fieber)
Familie Orthomyxoviridae
Gattung Influenzavirus A – Influenza (Grippe)
Influenzavirus A-Variante (H1N1) – Influenza (Grippe)
Influenzavirus A-Variante (H3N2) – Influenza (Grippe)
(aviäres) Influenzavirus-A-Variante (H5N1), hoch pathogenes aviäres Influenzavirus (HPAIV) – Vogelgrippe, bei Tieren, auch auf den Mensch übertragbar, aber nicht von Mensch zu Mensch.
Gattung Influenzavirus B – Influenza (Grippe)
Influenzavirus B/Victoria-Linie – Influenza (Grippe)
Influenzavirus B/Yamagata-Linie – Influenza (Grippe)
Gattung Influenzaviren C – Influenza (Grippe)
Familie Paramyxoviridae
Unterfamilie Paramyxovirinae
Gattung Avulavirus
Humanes Parainfluenzavirus (Typ 1, 3) – Erkältung, Parainfluenza
Gattung Morbillivirus
Masernvirus – Masern
Gattung Henipavirus
Hendra-Virus, (früher Equines Morbillivirus) - Pneumonie; Enzephalitis
Nipah-Virus - Pneumonie; Enzephalitis
Gattung Rubulaviren
Humanes Parainfluenzavirus (Typ 2, 4) – Erkältung, Parainfluenza
Mumpsvirus – Mumps
Unterfamilie Pneumovirinae
Gattung Pneumovirus
Humanes Respiratorisches Synzytial-Virus (HRSV) (Typ A, B) – Atemwegsinfektion, Erkältung
Gattung Metapneumovirus
Humanes Metapneumovirus (HMPV) – Atemwegsinfektion, Erkältung
Familie Rhabdoviridae
Gattung Vesiculovirus
Vesicular-Stomatitis-Indiana-Virus (VSV) – Stomatitis vesicularis (Mundschleimhautentzündung mit Bläschenbildung) bei Tieren, auch auf den Mensch übertragbar
Gattung Lyssavirus
Rabiesvirus (RABV) (ehemals Genotyp 1) = Tollwutvirus – Tollwut, bei Tieren, auch auf den Mensch übertragbar
Mokola-Virus (MOKV) (ehemals Genotyp 3) – Tollwut, bei Tieren, auch auf den Mensch übertragbar
Duvenhage-Virus (DUVV) (ehemals Genotyp 4) – Tollwut, bei Tieren, auch auf den Mensch übertragbar
Europäisches-Fledermaus-Lyssa-Virus 1 + 2 (EBLV 1, 2) (ehemals Genotypen 5 und 6) – Tollwut, bei Tieren, auch auf den Mensch übertragbar
Australisches-Fledermaus-Lyssa-Virus (ABLV) (ehemals Genotyp 7) – Tollwut, bei Tieren, auch auf den Mensch übertragbar.

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